Wo, bitte, geht’s nach Arkadien?

Im Februar nächsten Jahres wird es in Ebersberg bei München eine Kunstausstellung zu Arkadien geben. Peter Kees hat sie initiiert und organisiert. Wir fünf Juroren haben bis drei Uhr morgens “getagt”, um aus den über 300 Einreichungen auszuwählen. Zu viel sei noch nicht verraten, aber die obige Leuchtschrift wird wohl im Eingangsbereich hängen und Die Süddeutsche Zeitung hat bereits in einem Artikel informiert.

Stattdessen verlinke ich auf ein Video, das es leider nicht in die Ausstellung geschafft hat. Leider, weil es ein gutes Beispiel dafür ist, wie sich mit den ganz  klassischen arkadischen Motiven ein aktueller Bezug herstellt. 

Falls Ihr des Niederländischen nicht mächtig seid, gibt es auch eine englische Übersetzung: Et in Arcadia Ego, English version

Am 9, Februar werde ich einen Beitrag zu “Eine andere Utopie: Arkadien” beisteuern. Zur Uraufführung kommt im Rahmenprogramm auch ein frühes Schauspiel “Arkadien“ von Herbert Achternbusch und der Film „Versuchungen des Glücks. Auf der Suche nach Arkadien“. von Peter Kees, in dem ich auch eine Rolle spiele 😉

Schafe auf dem Tempelhofer Feld!

Vor mehr als einem Jahr gab es auf diesem Blog schon die fordernde Überschrift „Schafe auf das Tempelhofer Feld!“. Dort kann man zu den Hintergründen dieser Forderung nachlesen. Jetzt kann – mit Einschränkung – schon Vollzug gemeldet werden (vgl. die jetzige Überschrift): am Sonntag, dem 14. Oktober 2018, kam die erste Hälfte einer zweihundertköpfigen Herde an und begann umgehend mit der Beweidung des Tempelhofer Feldes. Die Einschränkung ist allerdings eine gewichtige. Die Beweidung unter dem Motto „Schäfchen zählen“ ist nur ein einwöchiges Experiment. Aber allein die Tatsache, dass dies erreicht werden konnte, macht Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung. Ein Bericht über das Ereignis findet sich auf dem Blog von Elisabeth Meyer-Renschhausen. Dem brauche ich nichts hinzufügen – außer einer Textfassung dessen, was ich als Hintergrundinformation zum Geschehen beisteuerte: Weiterlesen „Schafe auf dem Tempelhofer Feld!“

Woche der Alpenutopien

Auch die Alpen sind ja eine Landschaft, die auf der einen Seite Sehnsüchte weckt, auf der anderen Seite von existenzgefährdenden Problemen bedroht ist. Anknüpfend an eine Idee von Werner Bätzing, einem Theoretiker und Praktiker der Alpen, fragten wir in einer Septemberwoche in Formine, einem abgelegenen Bergdorf oberhalb des Lago Maggiore, ob es eine “konkrete Utopie der Alpen” geben kann. Dem Schweizer Landschaftsschützer Raimund Rodewald und seinem Aufsatz “Arkadien, eine verlorene Utopie” verdankten wir es, die Alpenutopie auch mit unserem Lieblingsthema in Verbindung setzen zu können. Weiterlesen „Woche der Alpenutopien“

Faulheit und Müßiggang

Heute, am 10. August, am internationalen Tag des Faulpelzes, ist wohl der richtige Zeitpunkt: Ein Thema, das mich schon jahrelang, irgendwie auch lebenslang begleitet, hat es bisher noch nicht in den Blog geschafft (wobei das Thema sogar das Versäumnis erklären könnte 😉 Faulheit und Müßiggang. Eigentlich war auch zur Feier des Tages geplant, anknüpfend an die Woche der Utopie 2018 ein Wochenende der Faulheit zu organisieren. Das ist jetzt auf 2019 verschoben. Aber immerhin gibt es jetzt innerhalb der „Arkadischen Akademie“ einen Abend mit diesem Thema:

Mein Sprung von der Praxis in die Theorie wurde wahrscheinlich durch die Lektüre der Buches „How to be Idle“ von Tom Hodgkinson , einem Experten auf diesem Gebiet, angeregt. Er hat auch die Zeitschrift „The Idler“ herausgegeben. Ein Heft davon heißt: Lie back and protest. How to make a Revolution from your Bedside. Der theoretische Klassiker ist natürlich „Das Recht auf Faulheit“ von Paul Lafargue, dem Schwiegersohn von Karl Marx und der literarische Oblomow von Gontscharov. Weiterlesen „Faulheit und Müßiggang“

Arkadische Bibliothek im Hirtenmuseum

An der Seite einer Ausstellung von Peter Kees (vgl. Arkadische Landnahmen, Arkadien am Lago) wird die Idee einer Arkadischen Bibliothek präsentiert, nicht schon die Bibliothek selbst und nicht einmal deren Anfang. Sie ist nicht Teil der künstlerischen Ausstellung, harmoniert aber thematisch bestens mit ihr.

Die Arkadische Bibliothek will die glanzvolle Geschichte der heute fast vergessenen Hirtendichtung zur Darstellung bringen. Sie will aber vor allem die Wirkungsmacht der dahinter stehenden Idee eines friedlichen, einfachen und glücklichen Lebens auch für unsere Zeit zeigen, einer Idee, die stets als Entwurf eines Gegenbilds zu den Nöten und Missständen der jeweiligen Gesellschaft gesehen werden muss. Weiterlesen „Arkadische Bibliothek im Hirtenmuseum“

Botschaft von Arkadien

Im Anschluss an seine Ausstellungen hat Peter Kees ein Buch herausgebracht, sinnigerweise sogar im Arkadien-Verlag und mit dem doppelsinnigen Titel „Botschaft von Arkadien“ – denn als deren Repräsentant tritt er ja seit langem auf. Ich durfte einen Beitrag beisteuern und den repliziere ich hier. Im November 2017 haben wir den Band in einer Podiumsdiskussion in dem Literaturhaus in der Fasanenstraße in Berlin vorgestellt.

Arkadien – Ort der Idylle und der Utopie

Zunächst ist Arkadien eine einfache Sache: eine liebliche Landschaft in ewigem Frühling, mit Bäumen, Wiesen und einer Quelle oder einem See, in der Hirten ein einfaches, aber glückliches Leben führen in einer friedlichen Welt voller Müßiggang, Kunst und Liebe. Ein Literaturwissenschaftler erkennt darin den Topos des locus amoenus. Wir nennen so etwas oft eine Idylle. Alles eigentlich zu einfach, um die Jahrhunderte, ja Jahrtausende alte Faszination zu erklären, die diese Wunschlandschaft ausgeübt hat. Weiterlesen „Botschaft von Arkadien“

Wie Land und Arbeit zu Waren wurden / Commodifying Land and Labour

Here is also an English version of this text: Commodifiying Land and Labour

Auf der Europäischen Sommeruniversität in Toulouse hatten wir einen Workshop „Commons und Labour“. Meine Aufgabe war, über das Ende der traditionellen Allmenden zu berichten.

Die ursprüngliche Allmende

Noch vor wenigen Jahren war „Allmende“ einfach ein aussterbendes Wort für eine aussterbende Sache – bis es eine neue Konjunktur im Zusammenhang mit freier Software, geistigen Eigentumsrechten („Creative Commons“), aber auch mit Saatgut, Umweltressourcen und generell mit Gemeingütern erlebte. Ursprünglich war die Allmende (Common) eine Weide im Gemeinbesitz. In Europa verschwanden die Allmenden meist im 19.Jhdt., genauer gesagt, sie wurden abgeschafft. Aber in manchen Gegenden existieren sie noch als relativ kleine Relikte. Gleichwohl war die Allmende, mit der heute fortschrittliche, sozialistische, emanzipatorische und utopische Hoffnungen verbunden werden, eingebettet in traditionelle patriarchalische und feudale Strukturen.

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