Vollglück im Hirtenmuseum

Nur das „Schäferstündchen“ und „idyllische“ Urlaubsgegenden erinnern heute noch an die große Tradition der Hirtendichtung. Nahezu vergessen scheint der alte europäische Traum von einem einfachen, mühelosen  Leben voll von Liebe, Kunst und Freuden in lieblicher arkadischer Landschaft. Er inspirierte fürstliche Parks, beschäftigte viele Jahrhunderte Künstler und Philosophen. Das Unerreichbare schien nahe gerückt, leuchtend, beseligend, doch nicht ohne sanfte Trauer.

Unter dem Jean-Paul-Titel „Vollglück in der Beschränkung“ versuchten Michel Gölling und ich, die Idee der Hirtendichtung im Hirtenmuseum in Hersbruck wieder zu beleben, was sich auch nachlesen lässt: Hersbrucker Zeitung vom 6 6.2016.  Der Versuch erfolgte in vier Teilen.

Der erste bemüht sich, Zugänge zur Idee Arkadiens und der Hirtendichtung zu eröffnen, über ihr Fortleben in gewissen Urlaubsvorlieben, ihre Vergegenwärtigung in der Dichtung des 18. Jahrhunderts und ihr Verstehen als ein Gegenbild zu den Widrigkeiten und Belastungen des jeweiligen alltäglichen Leben, wie es seit Urzeiten als ein Goldenes Zeitalter vorgestellt wird.

Der zweite will zeigen, dass, obwohl das Leben in der Hirtendichtung in keiner Weise dem realen Hirtenleben entspricht, die Dichtung sehr wohl mit der Realität zu tun hat und wie sie in der Antike sich aus der reichhaltigen Hirtenkultur entwickelt hat.

Ein zweiter Blick auf die Hirtendichtung offenbart, dass es in ihr nicht immer so problemlos zugeht, wie wir gern vermuten würden und lässt ahnen, welche gesellschaftlichen Kräfte in ihr wirken.

Ein Blick auf die Gegenwart zeigt viele aktuelle Trends, in denen bei genauerem Hinsehen sich das Fortleben der arkadischen Idee erkennen lässt. Der Traum lebt heute noch, vielleicht sogar in uns.

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