Woche der Utopie

Vor 500 Jahren hat Thomas Morus seine Utopia veröffentlicht. Für uns war das Anlass, uns im Juni in einer Woche am Lago Maggiore mit ihr, aber auch mit der Geschichte des utopischen Denkens zu beschäftigen – und natürlich mit seiner Gegenwart und Zukunft.
Der Begriff der Utopie steht wie kein anderer für die Idee einer radikalen politischen Alternative. Eben deshalb wird utopisch landläufig als gleichbedeutend mit unrealistisch und traumtänzerisch betrachtet. Dessen ungeachtet verbinden viele mit ihm die Perspektive einer grundsätzlich anderen, gerechten und glücklicheren Gesellschaft – eine Perspektive, die sich deutlich abhebt von kleinen, eher technischen Verbesserungen der politischen und sozialen Situation.

Das Wort Utopia (griechisch ουτοπια für ‘kein Ort’, ‘Nichtort’, oder auch ευτοπια für ‚guter Ort’) wurde von Thomas Morus (1478–1535) in die Welt gebracht. In der Form eines Reiseberichts, zugleich aber in der Tradition philosophischer Diskurse wird dort eine bessere Staatsverfassung entworfen mit Institutionen, die ein gerechteres, friedlicheres und vernünftigeres Leben ermöglichen. Ausgangspunkt sind die konkreten Übel der damaligen englischen Gesellschaft. Thomas Morus, „Urvater des Kommunismus und katholischer Heiliger“, wendet sich gegen Todesstrafe und Enclosure (die Privatisierung der Landwirtschaft). Er war Lordkanzler Heinrichs VIII., der ihn schließlich hinrichten ließ. Andere Utopien folgten: Campanella (Sonnenstaat) setzte seine Hoffnung auf Bildung, Bacon (Nova Atlantis) auf die Entwicklung der Wissenschaften.

All diese Utopien waren aber nicht mit der Erwartung verbunden, dass die geschichtliche Entwicklung in ihre Richtung gehen würde. Erst das fortschrittsgläubige 18. Jahrhundert kam auf diese Idee. Möglicherweise steckt darin auch eine Säkularisierung religiöser Heilsversprechen. Engels und mit ihm Marx forderten dann die “Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft”. Die Entwicklung hin zur sozialistischen Utopie sollte sich aus einer auf wissenschaftlicher Analyse gegründeten Geschichtstheorie ergeben. Hinzu kommt ein zweites: die Idee der Utopie wurde so an die Entwicklung der Produktivkräfte gekoppelt. Diese und der damit verbundene wachsende materielle Reichtum soll sie gerade ermöglichen. Älteren Utopien war dieser Gedanke fremd.
Gustav Landauer (Die Revolution, 1907), Karl Mannheim (Ideologie und Utopie, 1952) und Ernst Bloch (Geist der Utopie, 1918, Das Prinzip Hoffnung, 1954 ff.) vertieften das Verständnis des utopischen Denkens und erweiterten so zugleich den Begriff der Utopie. Bloch verknüpfte sie z.B. mit der Wunschvorstellung der Idylle bzw. Arkadiens, mit eschatologischen (heilsgeschichtlichen) Vorstellungen und dem Thema “Heimat”.

Themen

Die Utopie des Thomas Morus

Vorläuferideen (Platon, Chiliasmus, …)

Digitale Utopien – geistige Eigentumsrechte

Spielformen der Utopie

Utopie und Fortschritt

Entfaltung utopischen Denkens im 20. Jhdt.

Umsetzungsversuche

1 Kommentar zu „Woche der Utopie“

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