Plädoyers für Faulheit

Als Start in die Faulheit hier schon mal einige Literaturempfehlungen. Einige nur als Titel, andere mit einem Textauszug zur Einstimmung. Weitere Texte werden folgen.

Domenica sono occupata

Tom Hodgkinson, How to Be Idle

Contents Waking Up is Hard to Do / Toil and Trouble / Sleeping In / Skiving for Pleasure and Profit / The Hangover / The Death of Lunch / On being Ill / The Nap / Time for Tea / The Ramble / First Drink of the Day / On Fishing / Smoking / The Idle Home / The Pub / Riot / The Moon and the Stars / Sex and Idleness / The Art of Conversation / Party Time / Meditation / Sleep / On Holidays / A Waking Dream

It’s good to be idle. The purpose of this book is both to celebrate laziness and to attack the work culture of the western world, which has enslaved, demoralized and depressed so many of us. Doing nothing, however, is hard work, as Oscar Wilde pointed out. There are always so many people around trying to make you do things.

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Müßiggang – eine Blütenlese

Wenn ein Mensch einmal einen halben Tag in den Wäldern spazieren geht, weil er sie liebt, dann besteht die Gefahr, dass er als Tagedieb angesehen wird; wenn er dagegen den ganzen Tag als Unternehmer zubringt und diese Wälder abhackt und die Erde vorzeitig kahl werden lässt, so wird er als fleißiger und unternehmungslustiger Bürger betrachtet.
Henry David Thoreau (1817 -1862)

Arbeit und Tugend schließen einander aus
Aristoteles (384 – 322 v. Chr.)

Der Faule
Rennt dem scheuen Glücke nach!
Freunde, rennt euch alt und schwach!
Ich nehm’ Teil an eurer Müh:
Die Natur gebietet sie.
Ich, damit ich auch was thu’, –
Seh’ euch in dem Lehnstuhl zu.
Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781)

Man muss sich aus dem Gefängnis der Geschäfte und der Politik befreien.
Epikuros (342 – 271 v. Chr.)

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Eine andere Utopie: Arkadien!

Es war wohl eine gute Idee, dass Andreas Neumann, Hörfunksprecher beim Bayerischen Rundfunk, und ich beschlossen, Vortrag und Arkadische Texte im Rahmenprogramm der Ausstellung „Wo bitte gehts nach Arkadien“ nicht nacheinander vorzutragen, sondern ineinander zu verschränken. Dazu gibt es auch eine sehr freundliche Besprechung von Ulrich Pfaffenberger in der Süddeutschen Zeitung.

Eine andere Utopie: Arkadien!

Gustav Landauer

Wir beginnen mit einem längeren Zitat von Gustav Landauer, anarchistischer und sozialistischer Schriftsteller, Atheist und Mystiker und Mitglied der Münchner Räterepublik von 1918. Vor 100 Jahren wurde er von Reichswehrsoldaten am 2. Mai 1919 nicht weit von hier, in Stadelheim, brutal ermordet, er, der immer Pazifist und friedliebend war und Gewalt als mit der anarchistischen Idee unvereinbar ablehnte. Weiterlesen „Eine andere Utopie: Arkadien!“

Faulheit und Müßiggang

Heute, am 10. August, am internationalen Tag des Faulpelzes, ist wohl der richtige Zeitpunkt: Ein Thema, das mich schon jahrelang, irgendwie auch lebenslang begleitet, hat es bisher noch nicht in den Blog geschafft (wobei das Thema sogar das Versäumnis erklären könnte 😉 Faulheit und Müßiggang. Eigentlich war auch zur Feier des Tages geplant, anknüpfend an die Woche der Utopie 2018 ein Wochenende der Faulheit zu organisieren. Das ist jetzt auf 2019 verschoben. Aber immerhin gibt es jetzt innerhalb der „Arkadischen Akademie“ einen Abend mit diesem Thema:

Mein Sprung von der Praxis in die Theorie wurde wahrscheinlich durch die Lektüre der Buches „How to be Idle“ von Tom Hodgkinson , einem Experten auf diesem Gebiet, angeregt. Er hat auch die Zeitschrift „The Idler“ herausgegeben. Ein Heft davon heißt: Lie back and protest. How to make a Revolution from your Bedside. Der theoretische Klassiker ist natürlich „Das Recht auf Faulheit“ von Paul Lafargue, dem Schwiegersohn von Karl Marx und der literarische Oblomow von Gontscharov. Weiterlesen „Faulheit und Müßiggang“

Arkadische Bibliothek im Hirtenmuseum

An der Seite einer Ausstellung von Peter Kees (vgl. Arkadische Landnahmen, Arkadien am Lago) wird die Idee einer Arkadischen Bibliothek präsentiert, nicht schon die Bibliothek selbst und nicht einmal deren Anfang. Sie ist nicht Teil der künstlerischen Ausstellung, harmoniert aber thematisch bestens mit ihr.

Die Arkadische Bibliothek will die glanzvolle Geschichte der heute fast vergessenen Hirtendichtung zur Darstellung bringen. Sie will aber vor allem die Wirkungsmacht der dahinter stehenden Idee eines friedlichen, einfachen und glücklichen Lebens auch für unsere Zeit zeigen, einer Idee, die stets als Entwurf eines Gegenbilds zu den Nöten und Missständen der jeweiligen Gesellschaft gesehen werden muss. Weiterlesen „Arkadische Bibliothek im Hirtenmuseum“

Arkadien – Ort der Idylle und der Utopie

Zunächst ist Arkadien eine einfache Sache: eine liebliche Landschaft in ewigem Frühling, mit Bäumen, Wiesen und einer Quelle oder einem See, in der Hirten ein einfaches, aber glückliches Leben führen in einer friedlichen Welt voller Müßiggang, Kunst und Liebe. Ein Literaturwissenschaftler erkennt darin den Topos des locus amoenus. Wir nennen so etwas oft eine Idylle. Alles eigentlich zu einfach, um die Jahrhunderte, ja Jahrtausende alte Faszination zu erklären, die diese Wunschlandschaft ausgeübt hat. Weiterlesen „Arkadien – Ort der Idylle und der Utopie“

Utopische Romantik

ich weiß nicht genau, wie ich vor gar nicht so langer Zeit auf das Buch von Petra Röder gestoßen bin, es war wohl ein Zufallsfund in einem Antquariatskatalog: Utopische Romantik – Die verdrängte Tradition im Marxismus. Von der frühromantischen Poetologie zur marxistischen Gesellschaftstheorie, aber ich kann mich noch erinnern, warum es meine Aufmerksamkeit erregte, brachte es doch zwei Interessen oder auch Seiten von mir in Verbindung, die schon fast lebenslang nebeneinander her laufen: eine auf die reale Gesellschaft und ihre Veränderung bedachte und eine, die eine andere Welt eher erträumt oder fantasiert und insofern vielleicht mehr der Literatur als der Gesellschaftstheorie oder gar ihrer praktischen Umsetzung zugerechnet werden kann. Weiterlesen „Utopische Romantik“

Vollglück im Hirtenmuseum

Nur das „Schäferstündchen“ und „idyllische“ Urlaubsgegenden erinnern heute noch an die große Tradition der Hirtendichtung. Nahezu vergessen scheint der alte europäische Traum von einem einfachen, mühelosen  Leben voll von Liebe, Kunst und Freuden in lieblicher arkadischer Landschaft. Er inspirierte fürstliche Parks, beschäftigte viele Jahrhunderte Künstler und Philosophen. Das Unerreichbare schien nahe gerückt, leuchtend, beseligend, doch nicht ohne sanfte Trauer.

Unter dem Jean-Paul-Titel „Vollglück in der Beschränkung“ versuchten Michel Gölling und ich, die Idee der Hirtendichtung im Hirtenmuseum in Hersbruck wieder zu beleben, was sich auch nachlesen lässt: Hersbrucker Zeitung vom 6 6.2016.  Der Versuch erfolgte in vier Teilen. Weiterlesen „Vollglück im Hirtenmuseum“

Idylle

Mit Idylle verbinden wir auf den ersten Blick keinen großen politischen Entwurf. Im Gegenteil denken wir dabei eher an unpolitische bürgerliche Behaglichkeit und Zufriedenheit. Das war nicht immer so. Als Arkadien oder Goldene Zeit gehörte sie lange zu den prägenden Wunschvorstellungen der europäischen Geschichte, vergleichbar der Utopie, aber von ganz anderer Art.
Ursprünglich steht die Bezeichnung Idylle (wörtlich (gr.) Bildchen) für eine Dichtungsgattung, nämlich die heute fast vergessene Hirtendichtung. In dieser kommt ein einfaches, friedliches ländliches Leben voll Muße und mit viel Zeit für Liebe und Kunst zur Darstellung. Einzig das “Schäferstündchen” hat sich davon noch in einem breiteren Bewusstsein erhalten. Weiterlesen „Idylle“

Idylle und Arkadien

et in arcadia ego

Vergil, Ecl 5, 43-44

Daphnis ego in silvis /hinc usque ad sidera notus / formosi pecoris custos / formosior ipse

Ich bin Daphnis in den Wäldern / bekannt bis zu den Gestirnen / Hüter schönen Viehs / schöner noch selbst

Sucht man heute im Web nach „Idylle“, so wird man nicht eine Aufklärung über den Ursprung der Idylle in den Hirtengedichten früherer Zeiten finden, in denen eine einfache, friedliche Welt voller Müßiggang, Kunst und Liebe zur Darstellung kam. Stattdessen stößt man auf touristische Angebote „in idyllischer Landschaft“ oder „eine perfekte Idylle in der Nähe der Großstadt“. Wenn wir also auch nicht erfahren haben, was wir wollten, so haben wir doch etwas gelernt: dass nämlich in den Urlaubswünschen vieler Zeitgenossen etwas fortlebt von dem, was einst als Arkadien oder „Goldenes Zeitalter“ Dichtung und Theorie beschäftigte – und z.B. von Schiller in „Naive und sentimentalische Dichtung“ zum Thema gemacht wurde. Die Hirtengedichte, deren Bescheidenheit Programm ist, sind uns heute nicht mehr problemlos zugänglich. Zu sehr hat sich Geschmack und kultureller Hintergrund gewandelt. Die dahinter stehende Idee eines einfachen und glücklichen, mehr sinnlichen als rationalen Lebens fasziniert aber noch immer und wirkt als andere Utopie noch bis in gegenwärtige Lebens- und Politikentwürfe. Weiterlesen „Idylle und Arkadien“