Plädoyers für Faulheit

Als Start in die Faulheit hier schon mal einige Literaturempfehlungen. Einige nur als Titel, andere mit einem Textauszug zur Einstimmung. Weitere Texte werden folgen.

Domenica sono occupata

Tom Hodgkinson, How to Be Idle

Contents Waking Up is Hard to Do / Toil and Trouble / Sleeping In / Skiving for Pleasure and Profit / The Hangover / The Death of Lunch / On being Ill / The Nap / Time for Tea / The Ramble / First Drink of the Day / On Fishing / Smoking / The Idle Home / The Pub / Riot / The Moon and the Stars / Sex and Idleness / The Art of Conversation / Party Time / Meditation / Sleep / On Holidays / A Waking Dream

It’s good to be idle. The purpose of this book is both to celebrate laziness and to attack the work culture of the western world, which has enslaved, demoralized and depressed so many of us. Doing nothing, however, is hard work, as Oscar Wilde pointed out. There are always so many people around trying to make you do things.

This is why I have tried to create a kind of canon of idle writing, from the philosophy, fiction, poetry and history of the last three thousand years, to give us idlers the mental ammunition we need to fight the fight against work. The sheer number of great idlers in history proves also that we are not alone.Being idle is about being free, and not just being free to choose between McDonald’s and Burger King or Volvo and Saab. It is about being free to live the lives we want to lead, free from bosses, wages, commuting, consuming and debt. Being idle is about fun, pleasure and joy.There’s a revolution brewing, and the great thing is that to join it all you have to do is absolutely nothing. So join us, Liberty Lads and Liberty Girls. This should be the most enjoyable revolution the world has ever seen.

Corinne Maier, Die Entdeckung der Faulheit. Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun

Björn Kern, Das Beste, was wir tun können, ist nichts

Bertrand Russell, In Praise of Idleness 

Wie die meisten meiner Generation bin ich nach dem Sprichwort „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ erzogen worden. Da ich ein sehr braves Kind war, glaubte ich alles, was man mir sagte; und so entwickelte sich mein Pflichtgefühl derart, daß ich zeit meines Lebens und bis zum heutigen Tage nicht umhin konnte, immer schwer zu arbeiten. Aber wenn mir auch mein Handeln vom Gewissen vorgeschrieben war, so hat sich doch in meinen Ansichten eine Revolution vollzogen. Ich glaube nämlich, daß in der Welt viel zuviel gearbeitet wird, daß die Überzeugung, Arbeiten sei an sich schon vortrefflich und eine Tugend, ungeheuren Schaden anrichtet, und daß es nottäte, den modernen Industrieländern etwas ganz anderes zu predigen, als man ihnen bisher immer gepredigt hat. Allgemein bekannt ist ja die Geschichte von dem Reisenden, der in Neapel zwölf Bettler in der Sonne liegen sah (vor Mussolinis Zeit natürlich) und der dem Faulsten eine Lira schenken wollte. Elf sprangen auf und streckten die Hand nach dem Geld aus, weshalb er es dem zwölften gab. Dieser Reisende hatte das Wesentliche erfaßt. Aber in Ländern, denen nicht die Sonne des Südens lacht, ist es schwieriger, müßig sein zu können, und es wird umfassender allgemeiner Propaganda bedürfen, um damit einen Anfang zu machen. Ich hoffe aber, die führenden Persönlichkeiten der Y. M. C. A. (Christlicher Verein junger Männer) werden nach der Lektüre der folgenden Seiten eine Kampagne starten, um die tugendhaften jungen Männer endlich zu lehren, nichts zu tun. in diesem Falle werde ich wenigstens nicht umsonst gelebt haben. Bevor ich meine eigenen Argumente zugunsten der Faulheit vorbringe, muß ich erst eine andere Begründung widerlegen, die ich nicht anerkennen kann.

Thorstein Veblen, Theorie der feinen Leute (Original: The Theory of the Leisure Class) 

Paul Lafargue, Das Recht auf Arbeit

Eine seltsame Sucht beherrscht die Arbeiterklasse aller Länder, in denen die kapitalistische Zivilisation herrscht, eine Sucht, die das in der modernen Gesellschaft herrschende Einzel- und Massenelend zur Folge hat. Es ist dies die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der lndividuen und ihrer Nachkomrnenschaft gehende Arbeitssucht.

Statt gegen diese geistige Verirrung anzukämpfen, haben die Priester, die Ökonomen und die Moralisten die Arbeit heiliggesprochen. Blinde und beschränkte Menschen, haben sie weiser sein wollen als ihr Gott; schwache und unwürdige Geschöpfe, haben sie das, was ihr Gott verflucht hat, wiederum zu Ehren zu bringen gesucht. Ich, der ich weder Christ noch Ökonom, noch Moralist zu sein behaupte, ich appelliere von ihrem Spruch an den ihres Gottes, von den Vorschriften ihrer religiösen, ökonomischen oder freidenkerischen Moral an die schauerlichen Konsequenzen der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft.

In der kapitalistischen Gesellschaft ist die Arbeit die Ursache des geistigen Verkommens und körperlicher Verunstaltung. Man betrachte den stolzen Wilden, wenn ihn die Missionare des Handels und die Handlungsreisenden in Glaubensartikeln noch nicht durch Christentum, Syphilis und das Dogma von der Arbeit korrumpiert haben, und dann vergleiche man mit ihm unsere abgerackerten Maschinensklaven! Will man in unserem zivilisierten Europa noch eine Spur der ursprünglichen Schönheit des Menschen finden, so muss man zu den Nationen gehen, bei denen das ökonomische Vorurteil denHass wider die Arbeit noch nicht ausgerottet hat.Der Schriftsteller F. Le Play, sagt in seinem Buch: Die europäischen Arbeiter (1855): „Der Hang der Baschkiren zur Faulheit (die Baschkiren sind halbnomadische Hirten im Ural), die mit dem Nomadenleben verbundene Muße sowie die Gewohnheit des Nachdenkens, welche erstere bei den besser begabten Individuen hervorrufen, haben bei diesen Leuten oft eine Feinheit der Manieren, eine Schärfung von Intelligenz und Urteil zur Folge, wie man sie in einer höheren Zivilisation auf dem gleichen sozialen Niveau selten findet . Was ihnen am meisten zuwider ist, sind die Ackerarbeiten; sie tun eher alles andere, als dass sie sich zum Beruf des Ackerbauers entschließen.“ In der Tat ist der Ackerbau die erste Erscheinungsform knechtischer Arbeit in der Menschheit.Auch die Griechen hatten in der Zeit ihrer höchsten Blüte nur Verachtung für die Arbeit; den Sklaven allein war es gestattet, zu arbeiten, der freie Mann kannte nur körperliche Übungen und Spiele des Geistes. … Die Philosophen des Altertums lehrten die Verachtung der Arbeit, diese Herabwürdigung des freien Mannes: Die Dichter besangen die Faulheit, dieses Geschenk der Gotter: 0 Melibäus, ein Gott schenkte uns diesen Müßiggang! singt Vergil. Christus lehrt in der Bergpredigt die Faulheit: „Sehet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht, und doch sage ich Euch, dass Salomon in all‘ seiner Pracht nicht herrlicher gekleidet war.“ (Matthäi 6,28 und 29)

Julian Pörksen, Verschwende Deine Zeit 

Wendy Parking & Geoffrey Craig, Slow Living. Langsamkeit im globalen Alltag

Wolfgang Schneider, Die Enzyklopädie der Faulheit. Ein Anleitungsbuch 

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