Faulheit und Müßiggang

Heute, am 10. August, am internationalen Tag des Faulpelzes, ist wohl der richtige Zeitpunkt: Ein Thema, das mich schon jahrelang, irgendwie auch lebenslang begleitet, hat es bisher noch nicht in den Blog geschafft (wobei das Thema sogar das Versäumnis erklären könnte 😉 Faulheit und Müßiggang. Der Sprung von der Praxis in die Theorie wurde wahrscheinlich durch die Lektüre der Buches „How to be Idle“ von Tom Hodgkinson , einem Experten auf diesem Gebiet, angeregt. Er hat auch die Zeitschrift „The Idler“ herausgegeben. Ein Heft davon trägt den Untertitel How to make a Revolution from your Bedside. Der theoretische Klassiker ist natürlich das „Lob der Faulheit“ von Paul Lafargue, dem Schwiegersohn von Karl Marx und der literarische Oblomow von Gontscharew. Ich las dann auch das Buch von Corinna Mayer Die Entdeckung der Faulheit, die Anleitung gibt, wie man im Arbeitsleben in einem französischen Großkonzern Diskussionszirkel zu Literatur und Schlafmöglichkeiten auf der Toilette einrichten kann. Sie sollte gefeuert werden, musste dann aber auf Druck der französischen Öffentlichkeit wieder eingestellt werden. Dann auch: Das Beste, was wir tun können, ist nichts von Björn Kern. Hier wird die Arbeitsverweigerung anhand des Rückzugs auf einen alten Bauernhof im Oderbruch beschrieben, wobei sich herausstellt, dass die Renovierung eines Bauernhofs auch nicht der ideale Weg zur Faulheit ist. Ich stieß auch auf Wolfgang Schneider, Die Enzyklopädie der Faulheit. Ein Anleitungsbuch, woraus ich zitiere: „Für Aristoteles ist sie die Schwester der Freiheit, für Dostojewski eine verführerische Geliebte der Fantasie und für Salomon die einzig wahre Begleiterin auf dem Weg zur Weisheit: die Faulheit.“ Und so ist denn auch die Liste der Dichter und Denker, die sich sympathisierend mit der Faulheit und dem Müßiggang beschäftigt haben, zu lang, um sie hier aufzuzählen.

Ganz wahr ist es übrigens nicht, dass das Thema noch nie im Blog auftauchte. Unter dem Gewand der Hirtendichtung ist es als Arkadien sogar namensgebend für ihn, denn natürlich ist die Hirtendichtung der Inbegriff des Lobs des Müßiggangs. In den Worten von Fontenelle: (Therefore, pastoral poetry must present) a concurrence of the two strongest Passions, Laziness and Love. (Discours sur la nature de L’eglogue, Paris 1688, zit. nach der engl. Übersetzung: Of Pastorals, 1695)

Vielleicht gelingt es mir im nächsten Jahr, anknüpfend an die Woche der Utopie im vorigen Jahr eine Woche der Faulheit zu organisieren.

1 Kommentar zu „Faulheit und Müßiggang“

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