Arkadien – Ort der Idylle und der Utopie

Zunächst ist Arkadien eine einfache Sache: eine liebliche Landschaft in ewigem Frühling, mit Bäumen, Wiesen und einer Quelle oder einem See, in der Hirten ein einfaches, aber glückliches Leben führen in einer friedlichen Welt voller Müßiggang, Kunst und Liebe. Ein Literaturwissenschaftler erkennt darin den Topos des locus amoenus. Wir nennen so etwas oft eine Idylle. Alles eigentlich zu einfach, um die Jahrhunderte, ja Jahrtausende alte Faszination zu erklären, die diese Wunschlandschaft ausgeübt hat. Weiterlesen „Arkadien – Ort der Idylle und der Utopie“

Wie Land und Arbeit zu Waren wurden / Commodifying Land and Labour

Here is also an English version of this text: Commodifiying Land and Labour

Auf der Europäischen Sommeruniversität in Toulouse hatten wir einen Workshop „Commons und Labour“. Meine Aufgabe war, über das Ende der traditionellen Allmenden zu berichten.

Die ursprüngliche Allmende

Noch vor wenigen Jahren war „Allmende“ einfach ein aussterbendes Wort für eine aussterbende Sache – bis es eine neue Konjunktur im Zusammenhang mit freier Software, geistigen Eigentumsrechten („Creative Commons“), aber auch mit Saatgut, Umweltressourcen und generell mit Gemeingütern erlebte. Ursprünglich war die Allmende (Common) eine Weide im Gemeinbesitz. In Europa verschwanden die Allmenden meist im 19.Jhdt., genauer gesagt, sie wurden abgeschafft. Aber in manchen Gegenden existieren sie noch als relativ kleine Relikte. Gleichwohl war die Allmende, mit der heute fortschrittliche, sozialistische, emanzipatorische und utopische Hoffnungen verbunden werden, eingebettet in traditionelle patriarchalische und feudale Strukturen.

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Schafe auf das Tempelhofer Feld !

Elisabeth Meyer-Renschhausen, mit der ich u.a. das Interesse am Hirtenwesen teile und die zu den GründerInnen des Allmendekontors auf dem Tempelhofer Feld gehört, bemüht sich seit einiger Zeit, Schafe wieder in Berlin, vor allem, aber nicht nur, auf dem Tempelhofer Feld, heimisch zu machen. Das könnte durch einen Wanderschäfer besorgt werden oder auch anders geschehen.

Jetzt benutzte sie eine Feier auf dem Feld, um dafür Werbung zu machen, bzw. mich Werbung machen zu lassen 😉 Im Grund ist es eine naheliegende Idee, auf einer riesigen Grasfläche, die zur modernen Allmende werden soll, das zu tun, was auf Allmenden immer geschah: Tiere weiden zu lassen. Das ist gleichermaßen nützlich, nachhaltig und dekorativ. Weiterlesen „Schafe auf das Tempelhofer Feld !“

Utopische Romantik

ich weiß nicht genau, wie ich vor gar nicht so langer Zeit auf das Buch von Petra Röder gestoßen bin, es war wohl ein Zufallsfund in einem Antquariatskatalog: Utopische Romantik – Die verdrängte Tradition im Marxismus. Von der frühromantischen Poetologie zur marxistischen Gesellschaftstheorie, aber ich kann mich noch erinnern, warum es meine Aufmerksamkeit erregte, brachte es doch zwei Interessen oder auch Seiten von mir in Verbindung, die schon fast lebenslang nebeneinander her laufen: eine auf die reale Gesellschaft und ihre Veränderung bedachte und eine, die eine andere Welt eher erträumt oder fantasiert und insofern vielleicht mehr der Literatur als der Gesellschaftstheorie oder gar ihrer praktischen Umsetzung zugerechnet werden kann. Weiterlesen „Utopische Romantik“

Programmieren – from a logical point of view

Um nach einer längeren Unterbrechung dieses Blogthema wieder aufzunehmen, versuche ich mal, meine Interessen im Umfeld Logikprogrammierung aufzulisten. Ich mache das historisch, die ganz alten Sachen zuerst, die neueren am Ende. Das muss man nicht alles durchlesen. Die fett hervorgehobenen Worte geben eine Orientierung.

Mein erstes Prolog, das ich beruflich einsetzte, war LPA- Prolog. Es hatte zwei Features, die zumndest damals nicht typisch für Prolog waren, aber wichtig für meine Anwendungen. Weiterlesen „Programmieren – from a logical point of view“

SoliOli – Erwartungen übertroffen, Fortsetzung folgt

Obwohl eine unserer beachtetsten Aktivitäten tauchte der Direktimport aus Griechenland bisher in keinem meiner Blogs auf. Daher zunächst mal: Film zurück:

Am 9.9.2016 endete offiziell unser SoliOli-Kampagne zum Import „solidarischen Olivenöls“ aus Griechenland. Am 10.9. gab es eine Abschlussveranstaltung im Prinzessinnengarten Filippos Polatsidis aus Thessaloniki referierte über die vielseitigen Aktivitäten der Gruppe Pervolarides (Die Gärtner), einer Selbsthilfeinitiative von und für Arbeitslose und auch für Geflüchtete.

Das Ergebnis hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Wir hatten etwa 300 Bestellungen, darunter auch etliche Sammelbestellungen, so dass wir am Ende mehr als 1800 Liter Olivenöl plus Oliven etc. für insgesamt ca. 17000 € verkauft hatten. Ganz herzlichen Dank für Eure Unterstützung! Wie Ihr wisst, werden damit nicht nur die Produzenten unterstützt. Zusätzlich geht ein Drittel der Summe in solidarische Projekte und Netze. Weiterlesen „SoliOli – Erwartungen übertroffen, Fortsetzung folgt“

Missratene Söhne. Anarchismus und Sprachkritik im Fin de Siècle

Im Nachgang zu dem unten erwähnten Seminar zu Landauer hatte ich Gelegenheit, ein für Landauer und Mauthner einschlägiges Buch zu rezensieren:  Missratene Söhne. Anarchismus und Sprachkritik im Fin de Siècle, in dem Carolin Kosuch das Leben von Fritz Mauthner, Gustav Landauer und Erich Mühsam und insbesondere ihre Stellung zu Anarchismus und Sprachkritik porträtiert.

Carolin Kosuch, Missratene Söhne, Anarchismus und Sprachkritik im Fin de Siècle, Schriften des Simon-Dubnow-Instituts, Bd 23, Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2015, 390 Seiten, ISBN 9783525370377, 70€

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Alle Philosophie ist Sprachkritik – im Sinne Mauthners?

Im Sommer 2013 gab es von Jan Rolletschek an der Humboldt-Universität ein Seminar über den Anarchisten, Atheisten, Sozialisten, Genossenschaftler, Schriftsteller und Mystiker Gustav Landauer, der wegen seiner Rolle in der Münchner Räterepublik 1919 ermordet wurde. Er ist nicht nur für die Geschichte der solidarischen Ökonomie und des utopischen Denkens wichtig, sondern auch für die Tradition sprachkritischer Philosophie, besonders im Zusammenhang mit Fritz Mauthners Kritik der Sprache. Deshalb habe ich es übernommen, am Dienstag 4. Juni 2013 um 16 h c.t. in der Georgenstr.47 Raum 0.09. (ja, das ist auch eine Veranstaltungsankündigung und -einladung!) diese Zusammenhänge darzustellen.

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