Besuch vom Monte Verita

Am Ostersonntag bekamen wir in Formine Besuch von Hetty Rogantini-DeBeauclair. Sie ist in den zwanziger Jahren auf dem Monte Verita bei Ascona geboren und hat dort ihre Kindheit und den größten Teil ihres Lebens verbracht – unterbrochen von siebzehn Jahren im Engadin. Zuletzt und bis jetzt hat sie durch das Museum des Monte Verita geführt. Burkhard hatte sie gelegentlich einer Besichtigung des Monte Verita eingeladen.

Der Monte Verita war die erste oder zumindest eine der ersten Aussteigerkommunen. Er wurde 1900 von Theosophen gegründet – als eine Vereinigung mit einem langen Namen, den ich mir besser aufgeschrieben hätte. Jedenfalls kam anarchistisch, individualistisch-vegetabilisch, protokommunistisch darin vor; Erich Mühsam sprach von ethisch-sozial-vegetarisch-kommunistischen Siedlern.

Sie gaben dem Berg, eigentlich hieß er Monte Monescia, den Namen Berg der Wahrheit – gemeint war eigentlich: der Wahrhaftigkeit, Die Geschichte will ich hier nicht nacherzählen. Sie ist bekannt genug und umfasst eine Unmenge von Utopisten und Künstlern der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg; und wer sie nicht kennt, findet einen ersten Einstieg über die oben eingefügten Links.

Das Besondere an der Geschichte, die wir erzählt bekamen, war die Authentizität. Die meisten Darstellungen betonen ja naheliegenderweise das Außergewöhnliche, Exzentrische, Provozierende: die Nacktheit, die Ausschweifungen, auch die Strenge. In Hettys Bericht werden die alltäglicheren Seiten der Bemühung um ein neues Leben deutlicher, zugleich aber auch wie sehr diese unspektakuläreren Lebensweisen bereits von dem abwichen und ihm widersprachen, was damals als normal galt. Gerade dadurch lässt sich im Monte Verita aber Entwicklung und Veränderung erkennen, nicht nur Exzentrik – die es freilich auch gab.

Und ein bisschen gibt uns in Formine das dann auch die Möglichkeit, uns in diese Tradition zu stellen, denn Berührungspunkte gibt es schon einige; und immerhin haben wir die 25 Jahre schon überschritten, die die ursprüngliche Kommune des Monte Verita bestanden hat 😉

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