Allmendaufhebung

Mindestens so spannend wie die Allmende selbst sind ihr Ende, die Allmendaufhebung, und die Gründe dafür.  Auf den ersten Blick scheint es ja eine Folge des (wissenschaftlichen und sonstigen) Fortschritts gewesen zu sein. Als extensive Form der Landwirtschaft geriet sie in Misskredit zugunsten der „fortschrittlichen“ intensiven Landwirtschaft mit Stallhaltung, Kunstdünger etc. Das Ende der Allmende lag nahe bei Liebigs Erfindung der künstlichen Mineraldüngung. Aber, wie heute bei der Gentechnologie, sind die technischen Veränderungen eingebettet in wirtschaftliche und politische. Angriffe und Eingriffe gegenüber den bäuerlichen Allmenden z.B. durch Adlige und Klöster, gab es schon im Mittelalter, also fast seit Anfang an. Aber seit dem Ende des 18. Jahrhundert wurde systematisch an ihrer Abschaffung gearbeitet. Die Aufhebung der Allmenden fiel zusammen mit dem Aufstieg Preußens. Friedrich II. hatte sie zu seinem persönlichen Anliegen gemacht (und übrigens auch die seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bestehenden Berggenossenschaften abgeschafft).  1771 erschien mit dem Reglement für Schlesien die erste vollständige Verordnung über „Gemeinheitsteilung“ in Preußen. Gerichtliche und gewalttätige Auseinandersetzungen sollten vermieden werden, aber zugleich sollte kontinuierlich an der Aufhebung gearbeitet werden, z.B. durch Verweis auf das vorbildliche England. Die Allmendaufhebung stand im Zusammenhang anderer Maßnahmen, z. B. der Aufhebung des Flurzwangs für die Großgundbesitzer, die damit die Möglichkeit erhielten, Pflanzen mit besseren Markt- und Exportchancen anzubauen. Überhaupt war der Adel der große Gewinner dieser Reformen. Nur 14 % des Grundes der aufgelösten Allmenden wurden den Bauern zugeteilt. Der Rest ging an die Rittergutsbesitzer. Man kann vermuten, dass die preußischen Junker erst in dieser Periode ihre wirkliche Macht erreichten. Die Details dieser Vorgänge werden beschrieben bei Zückert, Allmende und Allmendaufhebung (Stuttgart, 2003), auf den auch ich mich beziehe. Die ursprünglichen Allmenden sind eben nur aus unserer heutigen Sicht ein Randphänomen. Zu den damaligen Zeiten führten die Umgestaltungen zum einen zum Aufstieg Preußens. Auf der anderen Seite kommt eine damalige Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es in den Gemeinden mit Allmenden keine drastische Armut gebe, in den anderen dagegen wohl. Ökonomen verorten zudem in dieser Zeit den Beginn der Aufteilung der ländlichen Bevölkerung in Produzenten und Konsumenten.

Tragik und Verfassung der Allmende

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