Bevölkerungswachstum, Commons und Solidarität

MIt Dana Jestel habe ich auf dem Degrowthkongress im September 2014 in Leipzig einen Workshop durchgeführt.

Mit guten Gründen wächst die Kritik am Wachstum an allen Enden, aber ein nahe liegendes Feld dieser Kritik bleibt merkwürdig ausgespart: das Bevölkerungswachstum – so auch auf den Degrowth-Kongressen. Weiterlesen „Bevölkerungswachstum, Commons und Solidarität“

Umverteilen Macht Glück

Eigentlich heißt das Thema des gerade vom 24.-26.6.13 an der TU in Berlin stattfindenden Kongresses ja „Umverteilen Macht Gerechtigkeit„, aber die Formulierung mit dem Glück fasst den Eröffnungsvortrag von Richard Wilkinson ganz gut zusammen. Er hat in einer empirischen Studie aufgezeigt, dass wesentliche Faktoren der Lebensqualität in den reicheren Ländern durch eine weitere Steigerung des Wohlstands (BIP) kaum mehr gesteigert werden können, wohl aber – und zwar beträchtlich – durch eine gleichmäßigere Einkommensverteilung. Weiterlesen „Umverteilen Macht Glück“

Plan B

Die Konferenz der Linken interessierte mich, weil sie, wie die ganze Plan-B-Initiative, sich genau das Thema stellt, das uns auch in einem Arbeitskreis des Instituts Solidarische Moderne beschäftigt: die Perspektiven eines sozial-ökologischen Umbaus auszuloten.
Insgesamt fand ich die Veranstaltung anregend und fruchtbar, habe dabei aber den derzeit eher als altmodisch geltenden Einzelvorträgen mehr Perspektiven entnehmen können als den Plena und Arbeitsgruppen (WorldCafe).

Gregor Gysi, der ja viele Reden halten muss, brachte gleichwohl eine ordentliche Skizze des linken Projektes für einen ökologisch-sozialen Umbau zuwege.
Vor allem war ich aber angetan von den Perspektiven, die Nicole Bullard mit „Einige Gedanken darüber, wie die deutsche Linke die Welt verändern (helfen) kann“ eröffnete und von den Überlegungen, insbesondere zu Krise und Kapitalismus, von Raoul Zelik.
Katja Kipping hatte keine so bahnbrechenden Neuigkeiten, aber sie punktete wie immer mit Charme und, besonders bei mir, mit dem Bekenntnis, dass Politiker zumindest gelegentlich auch fiktionale Texte zur Orientierung zu Hilfe nehmen sollten.

Eisberg der Referenz

Zitieren ist nur die Spitze des Eisbergs der Referenz. Das motivierte meinen Vortrag auf der Jahrestagung der Text Encoding Initiative (TEI) vom 11. bis zum 16. Oktober in Würzburg. Er trägt den Titel „Reference and Annotation. From Citation to ,Watson‘“ und knüpft an an meine früheren Vorschläge, das am Seitenfall orientierte wissenschaftliche Zitieren nach Seite und Zeile durch den Bezug auf sinntragende Einheiten wie Wort oder Satz zu ersetzen. Damit eröffnen sich aber auch neue Möglichkeiten für Kommentierung und Auszeichnung von Texten, insbesondere durch Weisen des externen Bezugs (Stand-off Markup). Diesem Konzept folgt auch die

Unordered Information Management Architecture. Sie wurde von IBM in einer spektakulären Anwendung eingesetzt, wo in einem populären USA-Quiz über Allgemeinwissen im Februar diesen Jahrs ein Computer (Watson) zwei menschliche Champions schlug. Wer es genauer wissen will, kann sich die Folien ansehen oder das Abstract lesen.

Erlanger Konstruktivismus

In den späten sechziger und den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts war neben der Frankfurter Schule die der Erlanger Konstruktivisten, mit ihren Gründern Kamlah und Lorenzen, eine der beachtetsten und einflussreichsten Richtungen der deutschsprachigen Philosophie. Die Logische Propädeutik gehörte an vielen Universitäten zum Curriculum, Lorenzen unterrichtete parallel neben Erlangen in Boston und Austin(Texas), es kam beim Philosophenkongress 1969 in Düsseldorf zur „Großen Koalition“ der deutschen Philosophie mit Habermas; sogar die hohe Politik, (sowohl Helmut Schmidt wie Oskar Lafontaine [sic]) nahmen sie in Anspruch. Ich hatte das Glück, damals in Erlangen zu studieren.

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Templates für Annotationen

Auf dem TEI-Kongress war ich fleißig und habe noch ein zweites Referat „Template Based Analysis“ gehalten – in einem Workshop von Dietmar Seipel zum Thema „Analysing Electronic Dictionaries with TEI“.

Templates sind Textschablonen, vergleichbar Formularen. In ein festes Textgerüst sind Leerstellen eingebaut, die manuell oder z.B. aus Datenbanken automatisch ausgefüllt werden. Sie sind wichtig, weil sie Arbeitsteilung und -strukturierung ermöglichen. Sie sind interessant, weil sie ineinander verschachtelt werden und so komplexe Strukturen erzeugen können, wie schön an Kochrezepten (Bild) zu sehen ist. Weiterlesen „Templates für Annotationen“

PROgrammation LOGique

Wie im letzten Jahr verbringe ich einen Teil des Sommers mit dem Versuch, mittels eines Lehrauftrags an der Uni Würzburg, die informatorische Bildung zu verbreitern, diesmal mit einem Kurs zur Programmierung in Prolog. Eigentlich sollte es um Programmieren im Allgemeinen gehen, aber meine nicht zu verheimlichende Neigung zu Prolog hat sich nun auch im Titel niedergeschlagen. Prolog, derzeit nicht die modischste aller Programmiersprachen, hat gleichwohl vor kurzem einen spektakulären Erfolg errungen. In der Nachfolge ihres schachweltmeisterbesiegenden Computers Deep Blue trat IBM nun mit einem Computer Watson in einem USA-Quiz zur Allgemeinbildung an – und hat gegen zwei ausgewiesene Champions gewonnen.  Weiterlesen „PROgrammation LOGique“

Zitieren im digitalen Medium

Schon im letzten Jahr hatte ich in Frankfurt einen Vortrag „Zur Zukunft des Zitierens“ gehalten. Mittlerweile habe ich ihn ausgearbeitet und er soll in dieser Form in der nächsten Ausgabe von „editio“ erscheinen.

Mit ihrer Digitalisierung verändert sich die Materialität von Texten grundlegend, und damit auch die Art, wie auf sie Bezug zu nehmen ist. Dieser Übergang ist nicht frei von Problemen, die dadurch noch größer werden, dass die Bezugnahme auch wechselseitig zwischen den Welten des Drucks und der elektronischen Repräsentation möglich sein soll. Weiterlesen „Zitieren im digitalen Medium“

Philosophy meets Robotics

„Philosophy meets Robotics“ war der Titel der „8th European Conference on Computing and Philosophy“. zu der Gäste von Schweden bis Türkei, Portugal bis Russland, aber auch aus China, Japan, Israel, Südamerika und USA kamen. Das inhaltliche Spektrum war ähnlich breit gefächert: Philosophy of Computer Science, Information and Cognition, Robotics, AI and Cognitive Systems, Computational Neurosciences of Emotion and Consciousness, Computational Approaches to Thought and Action, um nur einen Bruchteil zu nennen. Wie meist bei Kongressen nutze ich den Blog nur, um meinen eigenen Beitrag vorzustellen. (Die anderen sollte man über obige Webseite der Konferenz finden. Derzeit finde ich allerdings keine elektronische Variante der Kongressakten – angesichts des Themas etwas verwunderlich!) Was auch schon Tradition hat: meinen Beitrag gibt es in schriftlicher Form gar nicht. Die Fassung für die Akten ist schon veraltet und enthält die interessantesten Passagen nicht. Die vorgetragene Fassung habe ich nur als Präsentation, aus der man ohne Erläuterung wahrscheinlich nicht schlau wird.

Satiren und Ironien

Dieser Eintrag, wenn ich recht gezählt habe, der hundertste, ist weder satirisch noch ironisch. Er ist motiviert durch , eine editionsphilologische Tagung, die, für den Kenner offensichtlich, viel mit XML zu tun hat. Ich fühle mich ihr auch, aber nicht nur, verbunden, weil sie in den ersten Jahren im Zusammenhang mit der Technikkommission der AG für philosophische Editionen stattfand, für die ich zuständig war.

Diesmal war für mich besonders interessant, dass auf ihr ein relativ schnell entstandener Entwurf für eine Digitalisierung der Würzburger Jean-Paul-Editionen, insbesondere der „Satiren und Ironien“ vorgestellt wurde (vgl. Bild oben). Er fand erfreulicherweise ein sehr positives Echo. Die Skizze ist für einen Blog zu lang, für die Sache aber zu kurz Weiterlesen „Satiren und Ironien“