THESEN ZU ALTERSEINKOMMEN UND BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG

Alterseinkommen

Das Scharnier, das die beiden Teilthemen zusammenhält, ist das so genannte demographische Problem. Üblicherweise wird es benutzt, um Horrorvisionen von der Unbezahlbarkeit der Renten zu verbreiten – und die Leute in die kapitaldeckte Altersversorgung zu locken. Hier wird der Gegenstandpunkt vertreten: Eine schrumpfende Bevölkerung als Segen für Umwelt und Menschheit – auch wenn das heute für viele Leute noch ein unbehagliches Thema darstellt.

Auch in den Neunzigerjahren gab es schon Einschnitte bei der Rente, z.B Rentenalter 65, statt vorher Frauen 60, Männer 63. Orientierung an Netto- statt Bruttorente

Mit den Rentenreformen von Schröder (RotGrün) rund um 2000 (auch Rentenbetrug genannt) wurde die Bezugsgröße vom Rentenniveau (64 % der Arbeitseinkommen) auf den Beitragssatz (< 22%) verschoben 

Lücken sollen durch (teilweisen) Ersatz des Umlageverfahrens (Generationenvertrag) durch kapitalgedeckte, private Altersvorsorge (Riesterrente) ausgeglichen werden, die allein von Arbeitnehmern gezahlt wird 

Die Gesamtbeiträge für Arbeitnehmer sind deutlich höher als die angeblich begrenzenden 22%, nämlich 28%

Geld kann nicht einfach an die nächste Generation weitergegeben werden.

Auch die Leistungen der privaten Altersvorsorge sind an Wertschöpfung (Arbeit) gebunden, müssen durch die nächsten Generationen erbracht werden (> Dividenden) 

Nutznießer sind Arbeitgeber, Versicherungen und Finanzspekulation 

Kapitalgedeckte Altersversorgung macht Rentner (unnötigerweise) zum Komplizen des Kapitalismus (vgl. z.B. USA) 

Die Rentenreformen werden mit demografischen Horroszenarien begründet (Bevölkerungspyramide wird zur Urne) 

Die schrumpfende Bevölkerung ist eine Tatsache. Warum ist sie schlimm?

Angeblich kann die nachwachsende Generation die ältere nicht mehr versorgen. Ein Blick in die Vergangenheit beruhigt. 

Im 20. Jahrhundert stieg die Lebenserwartung um 30 Jahre. 

1900 war fast jeder zweite (44 %) unter zwanzig, 2000 nur jeder fünfte. Und das alles bei steigendem Wohlstand der Rentner. 

Produktivitätssteigerungen ermöglichen steigenden Wohlstand im Alter bei veränderter Altersstruktur. 

Jetzige Probleme haben andere Gründe, der Fachkräftemangel. z.B. in fehlenden Kapazitäten für Lehre und Studium

Angebliche Unbezahlbarkeit der Renten: Eine Produktivitätssteigerung von jährlich (nur) 1 % ermöglicht bis 2060 einen Rentenbeitrag von 30% PLUS eine Einkommensteigerung von mehr als 40%

Seit der Vereinigung ist das BIP in 20 Jahren um 30% gewachsen (trotz Finanzkrise) bei 4 % weniger Arbeitsstunden.

“Wenn unsere Wirtschaft auch nur schwach weiter wächst, wenn gleichzeitig die Menschen in Deutschland weniger werden, was bleibt dann für jeden Einzelnen übrig? Ein größeres Stück Kuchen. Wenn nicht jemand vorher ein Stück vom Kuchen klaut.“ Gerd Bosbach (Statistiker)

Was wirklich stattfand, war keine Vorsorge für Alte oder künftige Generationen, sondern eine Umverteilung von Arbeits- zu Vermögenseinkünften.

Bevölkerungsentwicklung 

Eine schrumpfende Bevölkerung ist nicht nur verkraftbar, sie ist im Gegenteil sogar sehr wünschenswert

Neben der Arbeit gibt es auch den Wirtschaftsfaktor Boden: die landwirtschaftlichen Böden, die Bodenschätze, generell die Naturressourcen oder auch: die Natur.

Wir sind uns heute weitgehend einig, dass ein Wachstum der Naturausbeutung und der Umweltbelastung nicht wünschenswert ist. 

Sobald es aber um Bevölkerungswachstum geht, ist diese Einigkeit alles andere als selbstverständlich. 

Die Gesamtbelastung der Erde (oder eines Teilbereichs) ist jedenfalls das Produkt aus der durchschnittlichen individuellen Belastung und der Anzahl der Menschen

Wie dramatisch ist eigentlich das Wachstum? 1950 2,7 Mrd. 2020 7,8 Mrd. deutlich mehr als das Dreifache in einer Lebenszeit 

Es gibt beruhigende Prognosen, z.B. der UN: 2050 9,7 Mrd. 2100 Stabilisierung bei 11 Mrd. Kurven sehen in Vergangenheit und Zukunft gleich aus. In die Prognosen gehen aber (oft gewagte) Prognosen ein. 

Die Fruchtbarkeit (Fertilität) unterliegt deutlichen Schwankungen und natürlich regionalen Unterschieden 

Die UN-Prognose geht davon aus, dass die weltweiten Fertilitätsraten sich denen in den Industrieländern anpassen werden (der Verbrauch dann aber wohl auch.

Entwickelt sich die Weltbevölkerung nach den jetzigen Fertilitätsraten weiter, gibt es 2100 statt 11 Mrd. 28 Mrd. Menschen

Was bedeutet das für die Belastung der Erde? Eine erste sehr grobe Abschätzung ist aufgrund der Einwohnerdichte möglich. Aber natürlich bleibt dabei z.B. die Fruchtbarkeit der Böden außer Betracht.

Die Bundesrepublik hat 233 Einwohner pro qkm.

Etwas besser ist die Abschätzung mit dem ökologischen Fußabdruck möglich. Was danach umweltverträglich möglich ist, kann man aus einem 1000 Watt Menü ersehen:

Es geht dabei nicht nur um Ernährung, sondern auch um andere Bedürfnisse und Annehmlichkeiten 

Stellt man grafisch den Konsum (einschließlich Abfall) den Naturressourcen gegenüber, ergibt sich für verschiedene Länder 

Zu beachten ist, dass hier die Biokapazität pro Person dargestellt ist. 

Bevölkerungswachstum zeigt sich in abnehmender Biokapazität 

Eigentlich gehört zu Thesen auch eine Diskussion, aber die ist hier gerade nicht möglich. Ohne das dies eine solche ersetzen könnte, schließe ich mit Worten Condorcet (1743 – 1794)

„wenn man voraussetzt, dass bis zu dieser Zeit der Fortschritt der Vernunft mit dem in Wissenschaft und Technik Schritt gehalten hat; dass die lächerlichen Vorurteile des Aberglaubens aufgehört haben, der Moral eine Strenge zu verleihen, die sie verdirbt und herabwürdigt, statt sie zu läutern und zu verfeinern, dann werden die Menschen auch wissen, dass, sofern sie gegenüber Wesen verpflichtet sind, die noch nicht sind, ihre Verpflichtungen nicht darin bestehen, Ihnen das Leben zu geben, sondern das Glück; diese Verpflichtungen haben das allgemeine Wohlergehen des Menschengeschlechts oder der Gesellschaft, in der einer lebt, und der Familie, zu der er gehört, Zum Gegenstand und nicht das kindische Vorhaben, die Erde mit unnützen und unglücklichen Wesen zu befüllen können. Es könnte dann für die Menge der zur Verfügung stehenden Lebensmittel eine Grenze geben und infolgedessen auch einer möglichen größeren Vermehrung eine Schranke gesetzt sein, ohne dass sich daraus eine vorzeitige, der Natur wie dem Gedeihen der Gesellschaft so sehr widersprechende vernichtung eines Teiles der Wiesn ergeben würde, die das Leben empfangen haben. So fast ja neh komm ruhig also mit dem Telefon sowieso falls du das meinst mein Bild tippen ja ich hab nur mein was ist mein hier Schluss machen“

Condorcet, Entwurf einer historischen Darstellung der Fortschritte des menschlichen Geistes (1793/95), Frankfurt a.M. 1976

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